FÜR KINDER – Audioinstallation von Bruce Nauman

Fr 25.09. – So 29.11.26

60 Jahre Schauspielhaus

Pina Bausch Zentrum under construction, Bundesallee 260, Wuppertal 

Die Audioinstallation ist vor und nach den öffentlichen Veranstaltungen zu erleben.

Wir freuen wir uns sehr, dass es gelungen ist, zu diesem Jubiläum die Audioinstallation FÜR KINDER von Bruce Nauman, einem der weltweit wichtigsten Künstler, erklingen zu lassen. Damit wird insbesondere die Interdisziplinarität des Hauses, als eine der Facetten des zukünftigen Pina Bausch Zentrums unterstrichen, die neben Internationalität und Teilhabe die Kunst- und Kulturinstitution für das 21. Jahrhundert zukünftig prägen soll.

Bruce Nauman – Für Kinder (2011) ist eine Audioinstallation mit vier Lautsprechern, die als Endlosschleife erklingt und im Maße variabel ist. Bruce Naumans Interesse daran, wie Klang Raum definiert, zieht sich durch zahlreiche seiner frühen Arbeiten. Als Konzeptkünstler hat er mit den Mitteln von Tanz und Performance ebenso wie mit Video, Objekten und großen Rauminstallationen gearbeitet. Für Kinder wurde erstmals 2011 in der Konrad Fischer Galerie in Berlin in einem ansonsten leeren Raum installiert.

In einem Interview mit der Kunstkritikerin Noemi Smolik erläuterte Nauman den Hintergrund der Arbeit:
„Ich las einen Roman und betrachtete die ersten Seiten. Ich erinnere mich nicht mehr an den Autor, aber dort gab es eine Liste von Büchern, die der Autor veröffentlicht hatte, und darunter eine weitere Überschrift: ‚Für Kinder‘, unter der ein Kinderbuch aufgeführt war.

Ich erinnerte mich daran, dass mein Sohn Klavier lernte. Ich hatte ihm die Stücke Für Kinder (1908) des Komponisten Béla Bartók geschenkt. Es handelt sich um sehr einfache Stücke, die für kleine Hände geschrieben wurden, sodass ich ein Duett mit ihm spielen konnte. Ich erinnerte mich daran und dachte: ‚Was würde ich als Übung für Kinder der Kunst machen?‘ Das Einzige, was mir einfiel, war eine Fernsehsendung, in der diese Kinder alle ihre Bleistifte hielten. Ich könnte ihm beibringen, wie man einen Bleistift hält, denn tatsächlich muss man ihn zunächst richtig halten, bevor man beginnt, damit zu schreiben … Also behielt ich diese verschiedenen Dinge im Hinterkopf, und schließlich nahm ich einfach die Worte ‚Für Kinder‘ immer wieder auf.“ (An American in Düsseldorf, frieze.com, 2011)

Die Audioinstallation von Bruce Nauman wird mit freundlicher Genehmigung und Unterstützung der Konrad Fischer Galerie ermöglicht. Anlässlich des 60. Geburtstags des Wuppertaler Schauspielhauses haben wir zur Eröffnung am 25. September einen ganzen Tag der Zukunft und dem größten Kapital der Welt gewidmet: KINDERN! 

Über den Künstler Bruce Nauman

„Ich versuche, Arbeiten zu machen, die Möglichkeiten offenlassen oder in irgendeiner Weise offen angelegt sind.“

Bruce Nauman (geb. 1941, Fort Wayne, Indiana) gilt als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Nachkriegs- und Gegenwartskunst. Seit Mitte der 1960er-Jahre hat er das künstlerische Feld grundlegend erweitert und künstlerische Praxis entlang konzeptueller, sprachlicher, räumlicher und performativer Fragestellungen neu ausgerichtet.

Nauman studierte an der University of Wisconsin, Madison (BS, 1964), sowie an der University of California, Davis (MFA, 1966). Dort gelangte er zu einer für sein gesamtes Werk grundlegenden Einsicht: Wenn er Künstler sei, könne alles, was er im Atelier tue – sich bewegen, sprechen oder schlicht anwesend sein –, als Kunst verstanden werden. Diese Prämisse eröffnete den Weg zu einer außerordentlich vielfältigen Praxis, die Skulptur, Neonarbeiten, Video, Performance, Fotografie, Zeichnung, Klang und großmaßstäbliche architektonische Installationen umfasst. Seine Arbeiten loten bis heute Wahrnehmungs-, Raum- und psychologische Grenzen aus und beziehen das Publikum häufig direkt ein – etwa durch Wiederholung, sprachliche Verschiebungen und körperliche Desorientierung.

Naumans erste Ausstellung bei der Konrad Fischer Galerie in Düsseldorf im Jahr 1968 markierte einen frühen Meilenstein seiner internationalen Karriere und begründete eine Beziehung, die seine Ausstellungsgeschichte über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg geprägt hat. Diese Präsentation führte seine Arbeit zu einem entscheidenden Zeitpunkt in einen europäischen Kontext ein; die kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Galerie zeugt von einem nachhaltigen Dialog, der zentral für die Entwicklung und Sichtbarkeit seines Œuvres geblieben ist. In den darauffolgenden Jahren wurde Nauman Gegenstand zahlreicher bedeutender institutioneller Überblicksausstellungen. Frühe Retrospektiven am Los Angeles County Museum of Art und am Whitney Museum of American Art (1972–73) trugen maßgeblich zur Verortung seines Werks innerhalb der amerikanischen Nachkriegskunst bei. Eine wegweisende europäische Ausstellungstournee führte 1986–87 von der Whitechapel Art Gallery, London, über die Kunsthalle Basel bis zum Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. Eine groß angelegte Retrospektive, gemeinsam vom Walker Art Center und dem Hirshhorn Museum organisiert, reiste von 1993 bis 1995 international und wurde in den folgenden Jahrzehnten durch weitere umfassende Präsentationen ergänzt.

Zu den wichtigsten Projekten zählen Raw Materials für die Turbine Hall der Tate Modern (2004), A Rose Has No Teeth: Bruce Nauman in the 1960s (2007–08) sowie eine Überblicksausstellung in der Fondation Cartier (2015). Disappearing Acts, eine umfassende Retrospektive im Schaulager, Basel, und im Museum of Modern Art, New York (2018–19), stellte die bislang weitreichendste Neubewertung seines Werks dar. Jüngere Projekte umfassen eine von Tate Modern organisierte Wanderausstellung (2020–23), ContrappostoStudies im Palazzo Grassi – Punta della Dogana, Venedig (2021–22), His Mark bei SITE Santa Fe (2023) sowie eine Ausstellung bei Tai Kwun Contemporary, Hongkong (2024).

Naumans Werk wurde mit zahlreichen der renommiertesten Auszeichnungen der Kunstwelt geehrt, darunter der Wolf Foundation Prize in Arts (1993), der Goldene Löwe für das Lebenswerk auf der Biennale von Venedig (1999), der Praemium Imperiale (2004) sowie der Österreichische Frederick Kiesler-Preis (2014). 2009 vertrat er die Vereinigten Staaten auf der Biennale von Venedig; der US-Pavillon erhielt den Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag.

Bruce Nauman lebt und arbeitet in New Mexico, USA.